Portait Komo Eskapo

Über den Autor

Komo Eskapo

Mein Elternhaus war schon in Ordnung. Ich hatte viele Freiheiten, wurde selten geschlagen und konnte viel ausprobieren. Mein Vater starb früh, eigentlich genau zu dem Zeitpunkt, als ich ihn am meisten gebraucht hätte. Also bin ich ohne Plan und Ziel in mein Erwachsenenleben getaumelt. Als meine Mutter sich von dem Schock über den Tod meines Vaters erholt hatte und mit mir über meine Lebensplanung sprechen wollte, war es zu spät. Sie konnte mich nicht mehr erreichen, ich hatte eine Mauer gegen das „alte“ Leben meines Elternhauses aufgebaut. Hinter der Mauer war alles Schlechte, mit dem ich nichts mehr zu tun haben wollte. Manchmal sickerten Erinnerungen durch, die sich in mein „neues“ Leben einschlichen. Mit den guten lernte ich Essen zu kochen – meine Mutter war eine hervorragende Köchin – die schlechten besprach ich mit meinem Therapeuten oder handelte sie mit mir selber aus.

Die Abkehr vom „bürgerlichen“ Leben hatte eine Doppelstrategie für meine Berufsausbildung zur Folge. Einerseits studierte ich, andererseits reparierte ich Autos und Motorräder und verdiente Geld. Da ich nicht richtig studierte, musste ich Misserfolge einstecken. Ich fühlte mich nicht angenommen und unverstanden und versteigerte mich immer absurdere, theoretische Gebilde. Ich konfrontierte meine Fakultät mit gewagten Behauptungen und Ableitungen, die den Lehrkörper faszinierten und abstießen, weil ich mich zum Gegner des „klassischen“ Lernbetriebs machte. Ich nahm die Kurve zur Ablehnung und spürte, wie ich innerlich böse wurde. Ich ging auf Distanz zu allem, ich wurde Außenseiter.

Ich musste beständig an der Mauer arbeiten und sie höher ziehen. Immer wieder schwappten Wellen von Wohlgefühl über die Kante und korrumpierten mein Herz. Ich verliebte mich in Mädels und Frauen, die mich mit ihren sanften Händen formten und leiteten. Sie hatten einen Plan, einen langfristigen Plan, der tief in ihnen eingraviert war. Inzwischen hasste ich Pläne, weil ich von der Hand in den Mund lebte und nichts über Zukunft wissen wollte. Meine Freunde machten Examen, und in der Kneipe sah ich ihre Gedankenblasen mit Reihenhäuschen, Familie, Renten- und Lebensversicherung. Ich entfernte mich und traf die anderen, die sich auch für anders, für besser hielten. Gab es auf der Seite auch Liebe und Nähe? Ich zog los und wollte es herausfinden.